Biologie der Gedanken: Alltag verbessern
MENTALE GESUNDHEIT
Wenn wir die Biologie unserer Gedanken verstehen, öffnen sich neue Wege im Leben und im Alltag. Unser Gehirn arbeitet nach bestimmten Mustern – und genau dieses Wissen befähigt uns, bewusster mit Stress und Alltagsdruck umzugehen.
in Kürze - worum geht's




Wissen - Die Biologie der Gedanken
Obwohl wir in der Schule zwar „denken gelernt“ haben, wissen wir kaum, wie Denken wirklich funktioniert, also wie Denkprozesse entstehen, in uns ablaufen oder wirken. Dabei ist es genau dieses Wissen, was uns helfen kann, bewusster und gelassener mit täglichen Herausforderungen umzugehen. Die Funktionsweise unseres Gehirns hat sich über Jahrhunderte fortwährend in Schritten erfolgreich entwickelt. Deshalb ändert oder verhält es sich nicht anders, nur weil gerade etwas „in Mode ist“ oder wir es vielleicht gerne so hätten. Es ist primär darauf ausgerichtet, Informationen zu verarbeiten und uns eine Orientierung zu bieten, damit wir für uns gute Entscheidungen treffen können – stets mit dem vorrangigen Ziel, einerseits das Überlebens und andererseits des Wohlbefindens zu sichern. Die Neurowissenschafltlerin Susan Greenfield bringt die Funktionsweise des Gehirns mit einem Satz auf den Punkt. „Logik ist so ziemlich das Letzte, womit sich unser Gehirn beschäftigt; es rechnet nicht, es will sich wohlfühlen.“ Das zu verstehen ist wichtig, aber vor allem hilfreich im Druck des Alltags oder in Stresssituationen, wo wir ziemlich oft gegen die Bio-Logik unseres Gehirns arbeiten. Das Gehirn folgt Prozessen, die wir aber auch nützen können, um unser Denken so zu gestalten, dass es für uns förderlich ist.
Gedanken schaffen Wege
Stell dir vor, durch deine Gedanken bilden sich Wege im Gehirn, vergleichsweise wie in einem Wald oder auf einer Wiese. Je öfter ein Weg begangen wird, das heißt, dasselbe oder ähnliches gedacht wird , desto breiter und fester wird dieser Weg. Das Gras verschwindet, der Boden wird eben und es wird leichter, ihn zu begehen. Ähnliches passiert im Gehirn.
Oft wiederholte Gedanken erzeugen Wege oder Verbindungen, bis hin zu richtigen Schnellstraßen oder Denkautobahnen, die dein Gehirn automatisch wählt, weil sie dir scheinbar wichtig sind und oft von dir gebraucht werden. Daraus entstehen in Folge Denkgewohnheiten oder Denkmuster. Diese sind zwar schnell, aber nicht immer nützlich oder hilfreich. Denn Angewohnheiten oder Muster können auch nachteilig sein, vor allem wenn sie Druck, Sorgen, Stress, Angst oder Zweifel erzeugen.
Wer sich zum Beispiel laufend Sorgen macht, schafft einen Gedankenweg oder wie erwähnt, eine Schnellspur und landet, ohne es zu merken, immer wieder bei seinen Problemen oder Ängsten. Dadurch verstärken sich die Verbindungen, werden anfangs zu einer Belastung und können später sogar zu unüberwindbaren Bergen werden. Da unser Gehirn ständig auf „Gefahrensuche“ ist, springt es immer schneller auf diese Themen an, selbst wenn kein Anlass dafür besteht. So funktioniert die Biologie des Gehirns. Deshalb ist es wichtig, solche beunruhigende „Schnellstrassen“ zu erkennen und aktiv zu verlassen, weil es das Gehirn von selbst nicht tut.
Der Aufmerksamkeitsfilter im Kopf
Ein interessantes und faszinierendes Beispiel: Unser Gehirn hat eine Art „Türsteher“, der entscheidet, welche Informationen in unser Bewusstsein gelangen können. Das heißt, welche wir uns merken sollen oder müssen. Diesen Filter nennt die Wissenschaft RAS, also retikuläres Aktivierungssystem. Es sorgt dafür, dass wir nicht von einer Flut an Informationen überwältigt werden.
Vielleicht kennst du das ja. Du willst ein bestimmtes Auto kaufen, und nun bemerkst du auf einmal dieses Modell überall im Straßenverkehr. Dein Gehirn hält gezielt nach diesem Modell Ausschau, weil du dem Thema gerade deine Aufmerksamkeit schenkst. Zugleich blendet es andere Dinge oder wie in diesem Fall, andere Modelle aus. Das gleiche tut es auch, wenn du einem Problem deine Aufmerksamkeit schenkst. Es konzentriert sich auf das Problem und zeigt die Dinge, die dazu passen. Im Fall des Autos freust du dich, im anderen Fall fühlst du dich unwohl und wenn du nicht aussteigst, immer unwohler. Es ist also ziemlich einfach zu erkennen, was klüger und sinnvoller ist. Achtung! Es geht nicht darum Probleme zu ignorieren, was aber zählt, ist die Zeit die du positiven oder negativen Dingen widmest.
Wie du den Effekt für dich nützen kannst.
Wenn du dich beispielsweise auf Dankbarkeit konzentrierst und (das ist wissenschaftlich erwiesen) jeden Tag nach etwas Ausschau hältst, wofür du dankbar sein kannst, wird sich dein innerer Filter für genau diese Situationen und Momente verstärken. Du findest mehr Dinge, die sich lohnend anfühlen und dir Freude machen, weil dein Gehirn diesen „Weg“ ausbaut und verstärkt. So werden auch positive Gefühle immer häufiger. Das hat nichts mit positivem Denken zu tun, sondern einzig und allein damit, worauf deine Aufmerksamkeit gerichtet ist. Auf das was dir gut tut oder auf das, was dir gerade fehlt oder dich beängstigt. Wie schon erwähnt, es geschieht in beide Richtungen, aber du entscheidest und kannst sie bestimmen.
Belohne dein Gehirn
Vielleicht kennst du das Gefühl, wenn nach einer gelösten Aufgabe, plötzlich ein kurzer Moment der Freude in dir aufkommt. Dein Gehirn verknüpft diese Erlebnis automatisch mit positiven Gefühlen und merkt sich diesen Moment. Wer seinem Gehirn regelmäßig kleine Erfolgserlebnisse schenkt, stärkt nicht nur sein Wohlgefühl, sondern auch zusätzlich den Selbstwert und baut zudem eine positive Verbindung auf. Das Gehirn fühlt sich bestätigt und weil es davon mehr bekommen möchte, steigert es seine Fähigkeiten.
Das Gehirn liebt es, belohnt zu werden – nicht mit Gold, sondern mit Erfolgen. Jedes Mal, wenn du bei etwas erfolgreich bist, vielleicht kleine Wunschziele erreichst und dir dafür auch ein Lob gibst, schüttet das Gehirn Dopamin aus. Das wirkt wie ein innerer Applaus und schenkt dem Gehirn und auch dir einen Glücksmoment. Das Gehirn liebt dieses „Bravo“ für jede gelungene Sache – und motiviert sich, auf diese Weise weiterzumachen. Das erklärt, warum Erfolgserlebnisse neue Kräfte wecken und auch in schwierigen Phasen mehr Zuversicht schenken.
Aber nicht nur das. Besonders aufregend, fast revolutionär sind die Erkenntnisse von Alia Crum an der Stanford Universität. Dr. Crum ist Professor, Psychologe und Forscherin, die untersucht, wie sich unsere Denkweise auf die Gesundheit und unser Verhalten auswirken. Sie erforscht den Einfluss der persönlichen Einstellung auf den Alltag, die Lebensqualität und inbesonders auf das Wohlbefinden beziehungsweise unsere Gesundheit. (einen Beitrag zu Alia Crum’s Arbeit findest du hier).
Die Biologie der Gedanken


Ein Gespräch - über die Macht der Gedanken
Über die Macht von Gedanken
Die Szene: Hannelore und Gerhard sitzen auf einer Parkbank, genießen die Nachmittagssonne. Gerhard blickt etwas nachdenklich ins Leere.
Personen
Hannelore: Eine Seniorin, die gerne liest und neugierig ist.
Gerhard: Ein Freund im Ruhestand, der oftmals ins Grübeln gerät.
Hannelore: Du bist heute so still Gerhard. Bedrückt dich etwas?
Gerhard: Ach, Hannelore... Manchmal, wenn man so viel Zeit zum Nachdenken hat, dreht sich das Gedankenkarussell einfach immer weiter. Die kleinen Wehwehchen, die Sorgen um die Kinder, die Frage, was noch kommt... Manchmal fühlt es sich an, als würde man in diesen Gedanken regelrecht versinken.
Hannelore: Das Gefühl kenne ich nur zu gut. Aber weißt du, ich habe da neulich etwas sehr Interessantes gelesen. In einem Magazin stand ein Artikel über „Die Biologie der Gedanken“. Ein Satz darin hat mich besonders berührt, „Logik ist so ziemlich das Letzte, unser Gehirn interessiert, es rechnet nicht, es will sich wohlfühlen“; ich denke die Frau hieß Susanne Greenfield.
Gerhard: Das ist ein schöner Gedanke. Jetzt, wo ich in Pension bin und nicht mehr zur Arbeit muss, sucht sich der Kopf scheinbar neue Probleme, was? Und wenn keine da sind, macht er welche. Manchmal fühlt es sich wirklich so an, als würde ich gegen mich selbst arbeiten, nur weil der Kopf nicht zur Ruhe kommt.
Hannelore: Genau das war eigentlich die Kernaussage in diesem Artikel! Wir versuchen oft, mit alten Denkmustern auf neue Gegebenheiten oder Situationen zu reagieren. Man denkt, man muss die alten Sorgen aufrecht erhalten, immerhin hat man sie ja jahrelang mit sich herumgetragen aber man könnte sie auch loslassen, diese alten Gedanken.
Gerhard: Was meinst du damit? Wie soll das denn gehen?
Hannelore: Jedes Mal, wenn wir den sorgenvollen Gedanken nachhängen und sie immer wieder durchkauen, machen wir diese Denkwege im Gehirn nur stärker. Wir verstärken quasi, uns Sorgen über etwas zu machen. Und ehe man sich’s versieht, steckt man in diesem Karussell fest und findet keinen Ausgang mehr.
Gerhard: (nickt) Das kommt mir bekannt vor. Man grübelt über ein Problem, findet keine Lösung, und am Ende fühlt man sich nur noch ängstlicher. Und am nächsten Morgen geht es von vorne los, genau wie du sagst.
Hannelore: Eben! Die Kunst ist nicht, sich weiterhin Sorgen zu machen, sondern bewusst aus diesem Karussell auszusteigen. Sobald wir merken, dass die Gedanken uns im Kreis führen und vor allem zu keiner Lösung führen, sondern nur Energie kosten, wäre es klug uns zu entscheiden, einen anderen, besser gesagt, einen leichteren und angenehmeren Weg zu gehen. Wir können unserer eigenen Gedanken selbst steuern, wenn wir das wollen, auch im Alter.
Gerhard: Aber wie soll das denn gehen, Hannelore? Die Gedanken kommen doch einfach.
Hannelore: Der erste Schritt ist es, sie zu bemerken, und sich dann zu sagen: „Stopp! Wohin führen mich diese Gedanken, bringen sie mich zu etwas Gutem?“ Es geht darum diese inneren Gespräche zu beobachten. Helfen sie mir oder belasten sie mich, ziehen sie mich runter? Wie schon erwähnt: im Grunde, will sich das Gehirn wohlfühlen, naja und mit der ständigen Sorgenmacherei ist das wohl kaum möglich!
Gerhard: Sich wohlfühlen... ja, das wäre ja ein schönes Ziel. (lächelt ungläubig) Du meinst also, das ist eine bewusste Entscheidung, welchen Gedanken ich folge und meine Aufmerksamkeit schenke?
Hannelore: Genauso ist es. Wenn wir verstehen, was unser Gehirn für sein Wohlgefühl braucht, können wir wieder mehr Gelassenheit, vor allem aber Freude finden. Natürlich ist es anfangs etwas neu und ungewohnt, schließlich sind uns ja die Sorgen und Probleme so vertraut, dass wir sie für normal und unerlässlich halten. Wir können unser Wohlgefühl mit Sicherheit aktiv gestalten, anstatt uns von Selbstzweifeln und Sorgen kommandieren zu lassen. Das ist ein Weg, der uns ein Stück Freiheit zurückgibt, wie es Susanne Greenfiel sagt und ich es schon seit einiger Zeit macht, und zwar mit erfreulichem Erfolg.
Gerhard: Das ist ja eine völlig neue Sichtweise für mich. Vielleicht sollte ich mich öfter mal fragen, was was mir guttut oder mein Hirn, anstatt ihm beim Sorgenmachen zuzuhören oder es auch noch zu füttern.
Hannelore: Na das ist ja schon ein erster wunderbarer Gedanke, mein Lieber! Könnte klappen, wie bei mir und ist vielleicht ein erster Schritt zu mehr Gelassenheit oder Sorglosigkeit.(lächelt)
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